Transparente Altersvorsorge: Wir entwickeln mit der Debeka Standards zum Schutz für Verbraucherinnen und Verbraucher

Kapitalmarktmodellierung, realwertbasierte betriebliche Altersvorsorge im Blick

Altersvorsorgeprodukte sind oft komplex und schwer vergleichbar – umso wichtiger sind Transparenz und Vertrauen für Verbraucherinnen und Verbraucher. Die Debeka sieht sich als Vorreiterin in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) und verpflichtet sich diesen Werten, sowohl in der Akquise als auch in der Betreuung von Kundinnen und Kunden.

Gleichzeitig fordern gesetzliche Vorgaben und europäische Initiativen einen klaren Nachweis über den Nutzen von Altersvorsorgeprodukten. Entscheidend sind dabei nicht nur die Rendite, sondern auch die Kosten sowie der reale Wert der Produkte unter Berücksichtigung der Inflation. Um dies sicherzustellen, setzen wir auf fundierte Szenarioanalysen und entwickeln gemeinsam mit unserem Partner Modelle zur Kapitalmarktbeschreibung sowie einen strukturierten Bewertungsrahmen für Altersvorsorgeprodukte.

Das Kapitalmarktmodell der Debeka und des Fraunhofer ITWM

Das PIA-Basismodell, entwickelt vom Fraunhofer ITWM, macht Chancen und Risiken sichtbar und hilft, in punkto staatlich geförderter Altersvorsorge fundierte Entscheidungen zu treffen, indem es mehr Vergleichbarkeit schafft – unabhängig und neutral. Wir klassifizieren im Auftrag der PIA alle Altersvorsorgeprodukte, die durch staatliche Zulagen gefördert werden.

Gemeinsam mit unserem Projektpartner haben wir das PIA-Basismodell – bereits als Standard in der privaten Altersvorsorge anerkannt – weiterentwickelt. Ziel war es, einen Rahmen zu schaffen, der den wachsenden Anforderungen an Betreuung von Kundinnen und Kunden, Regulatorik und Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher gerecht wird. Die wichtigste Neuerung: ein zusätzliches Modul zur Realzinsmodellierung. Damit lässt sich die Inflationsentwicklung nun präzise simulieren.

Ein zentrales Anliegen der Debeka war es, Altersvorsorgeprodukte auch unter Berücksichtigung der realen Kaufkraft zu bewerten. So wird sichtbar, wie sich Inflation auf die Altersvorsorge auswirkt. Dies hilft den Kundinnen und Kunden der Debeka besser einzuschätzen, wie ihre Situation im Alter sein wird und Versorgungslücken zu erkennen. Unser Projekt liefert Antworten und Lösungen auf zentrale Fragen:

  • Wie lässt sich Inflation realistisch modellieren? Wie siehr das Modell für den Preisindex für Verbraucherinnen und Verbraucher aus?
  • Wie verändert sich der Wert von Altersvorsorgeprodukten bei verschiedenen Inflationsszenarien?
  • Wie wird der Modellrahmen auf die Marktlage abgestimmt, d.h. kalibriert?
  • Welche inflationsgeschützten Produkte können bewertet werden?
  • Wie fließen Expertise und Marktprognosen in die Berechnungen ein?
  • Welche Aussagekraft hat das Modell?

Dazu gehört auch das Entwickeln passender Anwendungs-Tools. Mit diesen Projektinhalten positionieren wir – das Fraunhofer ITWM und die Debeka – uns strategisch für zukünftige Entwicklungen und die wachsenden Informationsbedarfe der Kundinnen und Kunden zu Angeboten und Produkten, stets im Sinne des Schutzes von Verbraucherinnen und Verbraucher. Zudem wollen wir als Institut die Branche dabei unterstützen, regulatorische Anforderungen und gesetzliche Initiativen praxisnah und mit hoher Qualität umzusetzen.

Zusammenarbeit zwischen Debeka und Fraunhofer ITWM

Im Jahr 2018 wandte sich die Debeka an unser Team am Fraunhofer ITWM, um das PIA-Basismodell auch für ihre Produkte in der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) einzusetzen. Ziel der sogenannten Transparentinitiative« ist es, Kundinnen und Kunden eine einheitliche und transparente Bewertung der Produkte zu bieten. Als Fraunhofer ITWM stehen wir mit unserem Modellstandard für Objektivität und Neutralität – ein wichtiger Faktor, da Renditekennzahlen bislang meist von den Versorgungseinrichtungen selbst berechnet wurden.

Zu Beginn des Projekts lag der Fokus auf der Analyse von bAV-Tarifen und dem Modellieren von Diversifikationseffekten bei Aktieninvestments. Diese Themen sind nach wie vor relevant – insbesondere die Aktienmodellierung gewinnt angesichts des Nachweises des Nutzens für Kundinnen und Kunden wieder an Aktualität.

Zukünftige Regulatorik für Aufsichtsbehörden und Versicherer

Aktuell entstehen auf europäischer und nationaler Ebene neue regulatorische Vorgaben, die insbesondere Aufsichtsbehörden und Versicherer stärker in die Verantwortung nehmen. Im Jahr 2023 veröffentlichte die BaFin das Merkblatt 01/2023, das den Nachweis des Nutzens für Kundinnen und Kunden bei kapitalbildenden Lebensversicherungsprodukten thematisiert. Ein zentraler Bestandteil: das Betrachten der Realwertentwicklung, um den Kaufkraftverlust durch Inflation realistisch abzubilden.

Mithilfe von Szenarioanalysen sollen Produkte geprüft werden, wobei die BaFin den Standard für Verpackte Anlage- und Versicherungsprodukte (Packaged Retail and Insurance-Based Investment Product = PRIIP) vorsieht. Als Grundlage dafür empfiehlt die Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV) das PIA-Basismodell.

Auch auf europäischer Ebene nimmt das Thema Fahrt auf: Im Oktober 2024 veröffentlichte die EIOPA (Europäische Aufsichtsbehörde für Versicherungswesen und betriebliche Altersvorsorge) ein Konsultationspapier zum Thema »Value for Money«. Als wissenschaftliche Einrichtung mit jahrelanger Expertise in der Klassifizierung von Altersvorsorgeprodukten haben wir eine Stellungnahme verfasst, um Aufsichtsbehörden dabei zu unterstützen, den Nutzen für Kundinnen und Kunden messbar und beurteilbar zu machen.

Erfahrungen aus der Praxis: Debeka setzt auch auf Szenarioanalysen im Vertrieb

»Das Modell hat sich auch für uns im Vertrieb der betrieblichen Altersvorsorge als wertvolles Werkzeug etabliert«, berichtet Dr. Matthias Herzog, der bei der Debeka die Schulung der Außendienstmitarbeitenden verantwortet. Seit 2023 setzt die Debeka das Modell gezielt ein, um insbesondere Firmen umfassend und transparent zu beraten. »Unsere Kundinnen und Kunden profitieren davon, dass wir ihnen verschiedene Marktentwicklungen anhand von Szenarien darstellen können – das verschafft ein deutlich besseres Verständnis für die Komplexität der Mehrtopf-Produkte und die Wirkung unterschiedlicher Investmentstrategien.«

Die Beratung der Debeka fokussiert sich auf Unternehmen, die für ihre Belegschaft eine betriebliche Altersvorsorge etablieren möchten. Hier unterstützt das Modell dabei, sowohl Chancen als auch Risiken fair und nachvollziehbar aufzuzeigen. »Die Szenarioanalysen helfen uns, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und fundierte Entscheidungen gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden zu treffen«, so Herzog. Auch intern leistet das Modell einen wichtigen Beitrag: Jährlich werden rund 20 bis 25 neue Betreuende für Kundinnen und Kunden geschult, die mithilfe der Szenarioberechnungen ein tieferes Verständnis für die Produkte der Debeka und die Dynamik der Kapitalmärkte entwickeln.